Archiv für den Autor: Uwe Roemisch

Basispositionen der BI

Wir bewegen uns im politischen Spannungsfeld von Wohnungsbedarf, ökologisch/klimatischen Zielen, einem gesunden und sozialen (Zusammen-)leben und ökonomischen Interessen der Stadt. Zur Entscheidungsfindung in diesem Feld fordern wir klare Prioritäten, die im Folgenden aufgeführt werden.
Unsere Argumente im Überblick:
1. Die Stadt wächst, das sagen die aktuellen Zahlen und die städtischen Prognosen. Langfristig muss das gar nicht so bleiben. Stadtplanung unter „Prognosedruck“ ist nicht sinnvoll. Alle hochgerechneten Bedarfe kann die Stadt sowieso nicht befriedigen. Die Stadtplanung muss sich noch stärker in eine Gesamtplanung im Verbund mit dem Umland einpassen.
2. Mehr Wohnungen bedeuten nicht automatisch, dass die Mieten sinken. Die bisherige Wohnungsbauplanung richtet sich an Besserverdienende, erschwingliche Wohnungen fehlen. Wohnungsbau darf nicht profitgeleiteten Investoren überlassen werden.
3. Im Inneren ist die Stadt hoch verdichtet. Nordend-Ost und Bornheim sind die Stadtteile mit der höchsten Einwohnerdichte in Frankfurt. Noch mehr Verdichtung untergräbt die Lebensqualität der derzeit hier lebenden Menschen und der nachfolgenden Generationen in dieser Stadt.
4. Übergeordnetes städtisches Planungsprinzip muss eine integrierte ökologische Gesamtplanung sein. Die Stadt muss von ihren Grünflächen her entwickelt werden.
5. Stadtplanung muss deutlich stärker Klimaplanung sein: um die Gesundheit und das Leben der jetzigen und der zukünftigen Generationen zu schützen.
6. Die berechtigten Interessen für bezahlbare Wohnungen dürfen nicht gegen ökologisch-klimatische Grundlagen und gegen ein gesundes und soziales Zusammenleben ausgespielt werden. Die physische und psychische Gesundheit der Menschen muss bei allen Entscheidungen im Vordergrund stehen (Klima, Luft, Wasser, Grün, u.a).
7. Stadtentwicklung muss mit konkreter Planungsbeteiligung von Bürgerinitiativen geschehen, Ergebnisse müssen dann von der Bevölkerung abgestimmt werden.

Absolut Empfehlenswert: Malte Rauchs Film über den Architekturjournalisten Daniel Fuhrhop – seine Thesen am Beispiel der Grünen Lunge:

Daniel Fuhrhop hat Architektur und BWL studiert und dann als Verleger 15 Jahre lang einen Architektur Verlag geleitet (Stadtwandel Verlag). “Doch nach vielen Jahren, in denen mein Verlag einen schillernden Neubau nach dem anderen präsentierte, wuchs meine Skepsis gegenüber dem Bauen. Noch als Verleger begann ich, mit Experten aus Stadtplanung, Architektur und Immobilien nach einem sinnvollen „Stadtwandel in Zeiten des Klimawandels“ zu suchen”

Der Film von Malte Rauch

Aus dem 2011 im Auftrag des Stadtplanungsamtes erstandenen Klimagutachten der Uni Kassel (S.5):

“Die vorgeschlagenen neuen Wohnbauflächen überdecken die Frischluftentstehungsgebiete
und engen vor allem in den östlich der Autobahn gelegenen Bereichen den Luftaustausch ein.
Zur Aufrechterhaltung des in erster Linie für die nordöstlichen Innenstadtbereiche
notwendigen Luftaustausches sollte deshalb aus klimatischer Sicht wenigstens das mit den roten Begrenzungslinien abgegrenzte Areal von einer Bebauung und Versiegelung
freigehalten werden.
Dies bedingt jedoch auch, dass es im weiteren, stadteinwärts gerichteten
Verlauf des Grünzugs zu keinen weiteren Strömungsbehinderungen kommt, wie sie z. B.
durch eine massive Neubebauung entlang der Friedberger Landstraße zu befürchten wären.”

(aus dem Klima Gutachten von Prof. Dr. Lutz Katzschner , Uni Kassel, 2011)
Klima Gutachten Stadtplanungsamt